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Montag, 3. April 2017

Jenseits aller Schwellen

Ich hatte von meinem Mann eine dünne Holzscheibe gezeigt bekommen, die beim Absägen eines Pfahls abgefallen war. "Halt! Nicht wegwerfen!", rief ich und nahm sie erst mal mit auf meinen Schreibtisch. Ein paar Tage später telefonierte ich mit einer Freundin und begann mit dem, was andere Menschen Telefonkritzelei nennen. Ich habe auf meinem Schreibtisch mehrere Buntstiftsortimente stehen, die ich farblich nach kalten und warmen Tönen sortiert habe. So fing ich - völlig abgelenkt durch das angeregte Plaudern - an zu kolorieren. Nach dem Telefongespräch hatte ich den unteren Teil der Scheibe fertig. Und beim Betrachten sah ich plötzlich etwas, kolorierte den oberen Teil mit einer anderen Farbfamilie und schon dabei entstand in meinem Kopf dieser Text zum Bild:

Als der Schöpfer die Meere erschaffen hatte, darin vielerlei Getier schwamm, darunter auch die Fische, wollte sich eines dieser Tiere nicht mit der Grenze des Wassers abfinden.

Was mochte wohl darüber sein?

Die Neugier des ihm innewohnenden Schöpferwesens lockte es immer wieder an diese Grenze heran. Hatte es doch alles ausgelotet, was unter dieser Grenze existierte.

Niemals würden sich Lebewesen aller Art damit abfinden, sich mit dem ihnen zugewiesenen Raum zu begnügen. Einzelne von ihnen sollten als Pioniere zu allen Zeiten ausbrechen und dabei ganz neue Räume erkunden.

Ein helles Licht durchdrang diese Grenze von oben, war aber nur undeutlich erkennbar.

Wie sehr drängte das Sehnen diesen Einzelgänger nun nach etwas ganz Neuem, nach etwas noch nie Erfahrenem. Wie sehr drängte es ihn, tief herabzutauchen in sein bekanntes Lebensreich und von dort einen riesigen Anschwimm zu nehmen, der es ihm ermöglichen sollte, die Wasserfläche zu durchbrechen.



Wie farblos erschien ihm inzwischen das ihm nur zu gut bekannte Lebensreich, bis er seinen Körper im Aufsteigen drehte, drehte und drehte …



und dabei in einem spiraligen Auftrieb urplötzlich die Grenze seines Reiches durchstieß. Eine ungeahnte innere Kraft war dabei sein Motor gewesen.



Sein Sehnen hatte all seine Ängste übertönt und mit einem mutigen Sprung war es ihm so gelungen durchzubrechen und das wärmende Antlitz des glühenden Lichts im für ihn völlig neu entdeckten Raum zu schauen. Mit seinem Sehnen hatte sich schon längst die körperliche Fähigkeit des Atmens in ihm entwickelt. So zog er mit den ihm gewachsenen Lungen einen tiefen Zug aus der Luft, die sich über der Grenze seines Reiches befand und zugleich füllte er sich mit dem Licht des überwässerigen Bewusstseins. Mit neu erworbenem Wissen, das seine vorherige Ahnung ersetzte, kehrte der Pionier zurück in sein bekanntes Nass, wo er fortan von seinem Erlebnis Zeugnis gab. Es war fast unmöglich, den anderen zu vermitteln, was sie hinter der Grenze ihrer Welt erwarten würde. Es war fast so, als wolle man einem lebenslang Blinden die Welt der Farben erklären, für die dieser nicht den entsprechenden Sinn entwickelt hatte.
Einen Weg, die Seelen der Sehnsüchtigen mit dem Wunder des Lebens zu befruchten, ist die Form des Märchens. Und aus diesem Grunde wurde dieses Märchen vom Fisch, der durch die Wassergrenze stieß und sich dabei in einen Wal verwandelte, geschaffen.

All-so wird es auch immer einzelne Menschen geben, denen ihr irdisches Daseinsfeld nicht genügt und die die Grenze zum Über- oder Außerirdischen, zur nächsten Dimension zu durchstoßen versuchen. Was mag hinter der Grenze des luftigen Daseins existieren? Hat der Mensch schon die Organe in sich vorbereitet, die zum Eintauchen in diese nächste Dimension erforderlich sind? Und was wird ihn, den ewig Neugierigen, hinter dieser Grenze erwarten?
Es gibt Menschen, die bereits fühlen, dass es eine weitere Existenz hinter der Grenze ihrer beschränkten Sehfähigkeit gibt. Beim Träumen und / oder kreativen Tun ahnen sie bereits, was sie in diesem neuen Raum erwartet. Es bedarf der Geduld der Evolution, um die erforderlichen Körperorgane umzuschulen. Oft sind es noch nicht klar zu umreißende Wahrnehmungen, die solchen Menschen zuteilwerden, doch ahnen sie das Morgenrot einer noch unbekannten Welt, die schon ewig existiert.
Wir dürfen uns geduldig darauf freuen, unser Sein als weiter und größer erfahren zu können, wenn wir aus dem uns bekannten Leben in ein neues hineinschießen, in dem das Licht des Bewusstseins heller und schöner erscheint, als wir es je in unseren Träumen wahrnehmen konnten.
Es gibt für uns Menschen am Rande unserer irdischen Existenz ein besonderes (fast über-)irdisches Phänomen, das uns ein nur schwaches Abbild davon gibt, was uns in der nächsten Dimension erwarten könnte …

REVONTULI
DAS POLARLICHT




Anmerkung:
Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Wal aus einem Landtier, einem Huftier des Eozäns hervorgegangen. Dies ist der Autorin des vorangegangen Textes sehr wohl bewusst, doch soll der Text eine Parabel über die treibenden Kräfte der Evolution darstellen. 


© Rêvant-Uli am 2. April 2017

Mittwoch, 4. Februar 2015

Zimmergestaltung

Ab und zu überkommt es mich und ich habe Lust, mein Kreativreich neu zu gestalten oder etwas abzuwandeln. Dieses Mal habe ich meine Ablage verändert. 


Den Kosmetikspiegel hatte ich schon viele Jahre ungenutzt in einer Ecke stehen. Als Lichtverstärker setzte ich ihn nun in meinem Zimmer ein, stellte noch zwei Minilämpchen davor, die ich nach einer Anregung selbst bastelte, und zwar aus Dekopapier, das ich halbkreisförmig zuschnitt und zusammenklebte und dann einfach auf zwei Weingläser setzte. Jeweils ein Teelicht hinein und fertig ist das Lämpchen.

Abends wird es dann richtig gemütlich ...



Auf dem Spiegel klebt ein Sonnenbild. In Tromsø war nämlich letzte Woche die Sonne zum ersten Mal wieder über den Bergrand gestiegen, was dort vor allem in den Kindergärten gefeiert wurde. Ich versuchte, den dortigen ersten "Kuss" der Sonne im Jahr 2015 in Pastellkreide nachzuempfinden. Gesehen hatte ich das Spektakel im Internetfernsehen des NRK.





Meine beiden Mumins, die ich in Helsinki auf dem Flughafen in einem Muminshop entdeckt hatte, haben ihre eigene Ecke, wo es ihnen - zusammen mit einem Briefbeschwerer und einem Muminkarussell (mit Teelicht) - richtig gut geht. Muminmama habe ich in Dry-Brush-Technique gezeichnet und mit einem Bilderrahmen gewürdigt.

Samstag, 28. September 2013

Zurück aus Norwegen

Während des Urlaubs in Norwegen stand für mich an erster Stelle das Erleben der Natur. Da mir das Malen oder Zeichnen in freier Natur nicht liegt und ich am liebsten am Schreibtisch zeichne, ist im Urlaub auch fast nichts Neues entstanden. Meine Zeichnungen brauchen viel Zeit und Geduld, da ich mich sehr auf Details einlasse. Daher hat das folgende Bild auch fast eine Woche gebraucht, bis es ganz fertig war - ein kleiner Eindruck vom Wohnraum unseres Ferienhauses in Südnorwegen.
Ich hatte mir einen Korbstuhl an eine feste Stelle im Raum gestellt, dann habe ich das "Visier" aus dem Buch "Zeichnen heißt Sehen" von H. Kelter zuhilfe genommen. Dann entstand folgender Raumausschnitt, den ich mithilfe des Visiers perspektivisch richtig sehen und auch zeichnen konnte:


Die Zeichnung hat sehr viel Spaß gemacht. Zum ersten Mal habe ich frei gezeichnet, was ich vor mir sehe. Nicht nach einem Foto, sondern nach der Realität. Dabei habe ich das Visier als sehr hilfreich empfunden und war erstaunt, wie sehr es das Sehen beeinflusst.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Von der Zeichnung zum digitalen Gemälde



Von Hand mit Bleistift gezeichnet, das ist eine Sache ... mit Pinsel gemalt eine andere. Aber auch das digitale Bearbeiten betrachte ich als eine Kunst, die sehr viel Freude macht. Da es sich bei der Zeichnung um ein norwegisches Motiv handelt, das ich in einem Bauernhausmuseum entdeckte, habe ich mich an die traditionellen norwegischen Farben der damaligen Zeit gehalten. Mit den Tools "Ausschneiden global", "Füllen" und vielen anderen entstand mit PhotoDraw dieses Bild, das wie ein modernes Gemälde anmutet:


Solcherlei Bildbearbeitungen wird es sicher noch oft bei mir geben ...



Sonntag, 21. April 2013

Gerahmt und fertig zum "Aufhängen"

Soeben fertig geworden ...




Den Rahmen habe ich digital erstellt. Der Hintergrund ist ein Tisch vor einem Fenster. Ich habe den Hintergrund bewusst blass und etwas unscharf gehalten, damit das Objekt im Verhältnis dazu nicht an Struktur und Kontrast verliert.

Solche Krüge findet man häufig als Antiquitäten in norwegischen Bauernhausmuseen auf Langtischen stehen. Ich habe ihn gezeichnet nach einem Foto, das ich ausgedruckt habe, aber als Fotodatei gerade nicht wiederfinde. Die Holzringe, die die senkrechten Holzteile oben und unten zusammenhalten, sind farbig, und zwar rot, grün und hellbraun. Wer solche Sachen mag, kann hier im digitalen norwegischen Museum mehr davon finden.

Lupo (Links-Hirn) meint:
  • Die Zeichnung ist keine fotorealistische Darstellung, was Ringa ja auch nicht wollte
  • Die Schattierungen sind gut abgestuft
  • Das alte Holz kommt gut zum Ausdruck
  • Die komplizierten Details sind gut zu erkennen
  • Mit dem Raster war die Übertragung leichter - für den Anfang okay
Ringa (Rechts-Hirn) meint:
  • Die meiste Zeit war ich gut im Flow
  • Diese Zeichnung hat zwar viel Zeit gebraucht, hat aber sehr viel Spaß gemacht
  • Die Raster haben mich irgendwie gestört - ich mag nicht Malen nach Zahlen oder einfaches Ausmalen und auch das Zeichnen in Rastern empfinde ich als künstlerische Einengung


Freitag, 19. April 2013

Kurz vorm Ziel

Nur ganz schnell vor dem Schlafengehen mit dem Smartphone eingefangen ... das mysteriöse Objekt. Leider etwas unscharf, zu dunkel ... bessere Darstellungen folgen.


Erkennt man jetzt, was es wird?

Heute kam ein Päckchen mit einem Kasten von Faber-Castell - alles, was man zum monochromen Zeichnen braucht. Verschiedene Graphitstifte, Rötelstifte, Kohlestifte, ein Papierwischer zum Anspitzen ... ich freue mich so!

Außerdem noch ein sehr guter Zeichenlehrgang: Die neue Zeichenschule von Barrington Barber. Ich habe sie mir neulich bei einem Bekannten angesehen, der sehr gut damit gelernt hat und zudem das Preis-Leistungsverhältnis sehr ordentlich fand.

Mittwoch, 17. April 2013

Kleinschrittig ...

Der mysteriöse Gegenstand entwickelt sich weiter.



So weit bin ich jetzt gekommen. Ich muss schon sagen, das Zeichnen mit Raster ist doch sehr luponisch betont. Das genaue Beachten der Raster verhindert den Flow, den man beim Zeichnen erreichen will. Das Zeichnen bekommt so einen mehr geometrisch-mathematischen Charakter, das Künstlerische wird eingeengt. Bauplaner, Architekten müssen auf diese Weise konstruieren. Somit hat auch das Zeichnen in vorgegebenen Rahmen seine Berechtigung. Ringa (Rechtshirn) kommt bei dieser Vorgehensweise erst dann wieder zum Zuge, wenn ich die Schattierungen ausarbeite. Da geht es um das Erspüren von Hell-Dunkel-Nuancen, um das Anbringen von Lichteffekten, um feine Maserungen ... upps ... jetzt habe ich schon etwas verraten: Der Gegenstand ist aus Holz. 
Mein Ziel ist kein Fotorealismus, sondern eine persönliche "Handschrift", die ich wohl eher ohne Raster entwickeln kann. Trotzdem will ich diese Zeichnung fertigstellen und diese Erfahrung als für den Zeichenlernprozess wertvoll erachten.
Die Maßangaben sind rein luponischer (linkshirniger) Art. Lupo misst, Lupo zählt, Lupo ist ein Pedant.

Hier eine kleine Episode aus meinem luporinganischen Märchen, die erklärt, wie Lupo vorgeht. Vorweg als Erklärung ein paar Fakten über meine (Gleichge)Wichtel(hirnhälften):

Lupo und Ringa ernähren sich von reiner Energie, die sie beide aus ihrer ganz spezifischen Bergkristallkugel "tanken", Lupo aus der Erde, Ringa aus dem Himmel. Nach dem Tanken verteilen sie die Energie, die sie aus ihrer so genannten "Zapfkugel" bezogen haben, in ihrer Umgebung, was ich in Form von Inspirationen und Ansporn in mir wahrnehme. Zum Zweck der Energieverteilung haben Lupo und Ringa sich anfangs direkt voreinander gestellt und mit den kleinen Fingerchen berührt. Dieses von ihnen genannte "Knistern" führte dazu, dass ihre Fingerchen mit der Zeit immer dunkler wurden - sie verkokelten nach und nach. Also mussten sie sich etwas überlegen. Die Energie musste über einen Speicher umgewandelt werden. Wie wir den erwarben, dazu die folgende Schilderung:

Endlich knistern ohne zu kokeln!

Es war ein ganz gewöhnlicher Markttag und ich hatte Ringa und Lupo mal wieder in meine Jackentaschen gesteckt ... schön tief, denn ich wollte ja nicht, dass mich jemand für verrückt hält. Doch, ja, viele Menschen denken das, wenn so genannte Erwachsene zu offen zeigen, dass sie immer noch ein bisschen wie Kinder sind. Dabei sind alle Menschen in ihrem tiefsten Inneren Kinder, nur wollen viele sich dies nicht eingestehen. Schade, nicht? Hauptsache, du und ich – wir wissen, wie schön es ist, noch wie ein Kind fühlen zu können. Neugierig zu sein, verliebt in das doch so aufregende Leben. Nun gut, ich erzähle dann mal, was an jenem Tag passierte.
Nach dem Gemüseeinkauf auf dem Markt hatte ich noch etwas Zeit und ging daher eine Weile in unserem gemütlichen Städtchen spazieren. Als ich die lange Bergstraße hoch ging, fing Ringa plötzlich in meiner Jackentasche an, wild herumzustampfen.
„Was ist denn los?“, fragte ich sie und schaute vorsichtig in die Tasche.
„Lass mich mal rausschauen ... bitte!“, drängelte sie. „Da ist was Knisteriges in der Nähe.“
„Was meinst du denn?“, fragte ich. „Das Papier im Schaufenster hier? Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein! Unmöglich, dass du das hörst ...“
Wir gingen gerade am Schaufenster der Buchhandlung vorbei.
„Papier? Kenne ich nicht“, sagte Ringa. „Aber ich verschwunge (luporinganisch für: wahrnehmen) etwas mit meinem Schnüffler (luporinganisch für Nase). Hier in der Nähe ist Knisterenergie.“
Ich ging einfach weiter, denn ich wusste nicht, was Ringa meinte.
„Einsnullnulleins (Lupo zählt im Dualsystem, hier also bis 9) Meter, einsnullnullnull (8) Meter, einseinseins (7) Meter ...“, kam es aus der anderen Jackentasche. Lupo war schon wieder mit Zählen beschäftigt. Offensichtlich konnte er Entfernungen mit einer Art Radarsinn abmessen.
„Stooooooopp!“, schrie er auf einmal, und zwar genau in dem Moment, als er beim Zählen bei Null angekommen war.
„Hier muss es sein!“
Ich schaute mich um. Was konnte er bloß meinen? Neben mir war das Schaufenster eines Bioladens.

Knisterspitze, o wie fein!
Geh mal in den Laden rein!

sang Ringa aus vollem Hals (Ringa ist die Musikalische, die tänzerisch Begabte).
„Knisterspitze? In diesem Bioladen hier?“, fragte ich Ringa, denn ich sah keine Knisterspitze oder irgend etwas, was ich dafür hätte halten können.

Reingehen!
Selber sehen!
Und nicht dumm vor Türen stehen!

Inzwischen hatte ich ja schon oft genug erlebt, wie sensibel meine beiden Schätzchen waren, wenn es um die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ging. Ich folgte also einfach Ringas Rat und öffnete die Ladentür.

Oh!
Ein Glöckchen fein
lädt mich in den Laden ein!

sang Ringa begeistert. Na, nur gut, dass niemand anders sie hören konnte. Sonst wäre ich sofort wieder zur Tür hinausgegangen. Schließlich wollte ich nicht für völlig plemplem gehalten werden. Stell dir nur mal vor, du kommst in einen Laden mit einer Türglocke und die Verkäuferin hört von dir den Gesang, den Ringa gerade angestimmt hatte. Ein bisschen gaga, was?, würde die Verkäuferin wohl denken, oder?
Als ich die Tür geschlossen hatte, trat die Verkäuferin hinter dem Tresen hervor und kam auf mich zu: „Guten Tag. Sie wünschen bitte?“




Au weia! Was sollte ich jetzt sagen? Hm ... ich sagte erst mal: “Guten Tag! Schöner Laden, den Sie hier haben.“ Und während ich sprach, kniff ich Ringa von außen durch meinen Jackenstoff. Ich spürte, wie sie reagierte. Sie wanderte in meiner Jackentasche Richtung rechter Ecke. Ich folgte ihr in diese Richtung. Sie sollte wohl wissen, was sie tat. Ich drehte meinen Kopf zur Seite – daaaaa!!! Jetzt erst sah ich, was sie meinte: In einem Regal im Schaufenster leuchtete zwischen vielen wunderschönen Edelsteinen eine Knisterspitze hervor – eine liebevoll geschliffene Bergkristallspitze mit feinen Regenbogeneinschlüssen.
Hier kannst du sie sehen ... im Verhältnis zu Lupo, der sich unbedingt beim Fotografieren daneben stellen wollte.
„Die habe ich von draußen gesehen“, sagte ich zu der Ladenbesitzerin und im selben Moment wurde mir klar, dass ich nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte. „Also, nicht richtig gesehen, nein, ich habe geahnt, dass sie so was Schönes verkaufen. Deswegen bin ich ja reingekommen.“
Ja, so war es nicht gelogen. Durch Ringas Spürsinn hatte ich ja geahnt, dass ich hier etwas finden würde, was wir drei brauchten. Inzwischen waren nämlich Ringas und Lupos Näschen und ihre Fingerspitzen vom Nacktknistern (was so viel bedeutet wie Knistern ohne Hilfsmittel) schon ein wenig verfärbt, also leicht angekokelt sozusagen. Auf dem Foto kannst du es sehen.























Lupo kramte unruhig in meiner Tasche herum.


„Ausgürteln (luponisch für: ausmessen) ... hm ... die muss ich erst ausgürteln“, hörte ich ihn murmeln und meine Jackentasche bewegte sich verdächtig. Offensichtlich hatte er schon wieder seinen Gürtel abgemacht. Was sollte ich nur tun? Schließlich war es für meine beiden Schätzchen ja wichtig, dass die Spitze die für sie passende Größe hatte.
„Hmmmm ...“, äußerte ich gegenüber der Verkäuferin. „Ich habe da ein kleines Problem.“
„Ja, bitte?“, meinte sie.
„Also wissen Sie, ich möchte die Bergkristallspitze gern immer bei mir tragen, so als Schutzstein sozusagen. Und zu dem Zweck würde ich sie gern z.B. in dieser Jacke tragen. Darf ich mal probieren, wie sie sich in meiner Tasche anfühlt?“
Die Verkäuferin schaute mich etwas verdutzt an. Hoffentlich dachte sie jetzt nicht, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank.
„Na, wenn Sie meinen“, sagte sie. Ihr Blick sagte etwas anderes, und zwar: „Die ist ja wohl nicht mehr ganz dicht.“
„Ich werde sie höchstwahrscheinlich kaufen“, erklärte ich. „Meine Entscheidung hängt nur noch von diesem kleinen Test ab“, und – schwupps – hatte ich den Bergkristall schon in der linken Jackentasche. Geschäftig fing Lupo an, in meiner Tasche mit seinem Messgürtel herumzufuchteln. Ich ließ meine Hand so lange in der Tasche, bis Lupo mir ein Zeichen geben konnte, dass er fertig sei. Auutsch! Da war’s - er kniff mir in den Daumen.
„Palandro (luponisch für: paletti) ... alles palandro“, sagte er.
„Okay, ich nehme sie“, sagte ich schnell zu der Verkäuferin, um ihren Verdacht zu entkräften, ich wolle die Spitze vielleicht geschickt entwenden.
„Und was macht das?“, fragte ich.
„Runde 10 Euro. Soll ich sie als Geschenk verpacken?“
„Nicht nötig, danke“, sagte ich. „Aber ein kleines Tütchen wäre nicht schlecht.“
Aus dem Regal hinter dem Tresen holte sie ein Cellophantütchen hervor und steckte den Kristall hinein. Nun hörte ich ihn auch knistern, wenn es auch nur das ihn umgebende Tütchen war.

Knistertütchen -
oh wie fein!
Doppelt knisternd wird es sein!

„Pssssst!“, sagte ich leise und die Verkäuferin drehte sich um. „Was ist denn?“, meinte sie. „Ich habe doch gar nichts gesagt!“ „Ich auch nicht“, sagte ich.

Und du, lieber Wichtelliebhaber, Du weißt, dass ich in diesem Fall doch einmal ein ganz klein wenig gelogen habe. Aber du hättest es in diesem Moment bestimmt auch getan, oder?

Zuhause wurde natürlich sofort ein zweites Mal geknistert, denn das Nachfrühstücksknistern hatten sich meine beiden ja schon gegönnt, allerdings noch mit nackten Näschen und nackten Fingern. Neugierig, wie sie nun mal sind, mussten sie nun die neue Art zu knistern gleich erproben und konnten nicht bis zum nächsten Morgen warten. Dieses Ritual vollzogen sie dann etwa vier Wochen lang so, bis eine an jenem ersten Knisterspitzentag einsetzende Kette merkwürdiger Ereignisse endlich eine Erklärung fand ...

Montag, 15. April 2013

Zeichnen mit Rasterhilfe - wie Gehen mit Krücken?

Weil ich gern mal ausprobieren wollte, wie genau man ein Objekt mit Rasterhilfe zeichnen kann, habe ich es doch getan, obwohl ich eigentlich auf solche "Stützräder" beim Zeichnenlernen verzichten wollte.  Kann man den genauen Blick, das Eintauchen in den Ringa-(Rechtshirn-)Modus, nicht besser erfühlen und trainieren, wenn man auf solche Hilfsmittel verzichtet? Worin der Unterschied besteht, kann ich allerdings nur erfahren, wenn ich's mal mache. 
Ob richtig gute Künstler wohl auch hier und da mal Raster als Hilfe verwenden?

Hier der Beginn einer größeren Zeichnung - was mag es wohl werden? Vergrößert habe ich im Verhältnis 2:3.


Ich liebe diesen Gegenstand und würde ihn mir gern zulegen, doch weiß ich nicht, wo man diese Antiquität käuflich erwerben kann. Auf jeden Fall müsste es in Norwegen sein. Gesehen habe ich das gute Stück in einem norwegischen Bauernhausmuseum.

Sonntag, 14. April 2013

Trollomi

In Norwegen gehe ich immer auf die Suche nach Wichteln und Trollen. Heute überkam mich die Lust, mal etwas Witziges zu zeichnen. Dabei kam diese Trollomi heraus, die ich in einem Ferienhaus als Figur entdeckte:


Auf diese Art möchte ich locker zeichnen können, und zwar alles, was mir in den Sinn kommt. Nordisches in erster Linie, denn dort wurzelt meine Seele. Alte nordische Bauernhäuser, Gebrauchsgegenstände, alte Möbel ... das würde mir Spaß machen. So wie in diesem norwegischen Fernsehfilm (für ähnlich gepolte Norwegenfans), in dem die Zeichnungen des norwegischen Künstlers Thorbjørn Egner in einem Buch gezeigt und in der Realität aufgespürt werden.

Die Trollomi habe ich allein und in Ruhe nach einem Foto gezeichnet, das ich mir zuvor in Graustufen ausgedruckt hatte. Das Ausarbeiten der Schatten und Strukturen führte ich nebenbei bei einem Telefongespräch aus.

Lupo ist dieses Mal restlos begeistert und freut sich auf ähnliche Ergebnisse, wenn ich ihn mal in Graphit darstelle.

Das Zeichnen von solchen Fantasiefiguren ist natürlich viel einfacher, weil Gesichter dabei auch anders aussehen dürfen, als in der Vorlage. Man kann auch bewusst "Schrägheiten" überzeichnen, was einen besonderen Reiz ausmacht.